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Groß Raden – Heiliger Bezirk der Slawen

Fischreiche Seen, klare Flüsse, ausgedehnte Wälder und eine abwechslungsreiche, hügelige Landschaft bilden den Rahmen für das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden mitten im NaturparkSternberger Seenland.
Im 9. und 10. Jh. siedelte im Gebiet um das Warnow-Durchbruchstal der slawische Stamm der Warnower, der zum Verbund der Obodriten gehörte. Auf einer Halbinsel in einem der größeren Seen errichteten sie eine Siedlung und ein Heiligtum. Dieses lag am Rand der Siedlung, die aus ungefähr 40 Häusern bestand und zum Festland hin durch einen Graben und eine Palisade gesichert war. Nach einem Brand wurden Siedlung und Heiligtum im 10. Jh. in veränderter Form wieder aufgebaut und stärker befestigt; nach dem Ende des 10. Jh. lässt sich keine Nutzung mehr nachweisen.

Ideale Erhaltungsbedingungen

Zwischen 1973 und 1980 wurden die Reste des altslawischen Tempelortes großflächig archäologisch untersucht. Die Grabungsflächen im Bereich von Wall und Siedlung umfassten rund die Hälfte des einstmals bebauten Areals. Struktur und Entwicklung der Besiedlung ließen sich dabei eingehend dokumentieren. Dank des hohen Grundwasserstands auf der Halbinsel blieb organisches Material − etwa große Teile der Holzbauten − exzellent erhalten, sodass eine sichere Rekonstruktion ganzer Gebäude möglich war. Zu den herausragenden Entdeckungen gehört auch das Heiligtum der ersten Bauphase.
Zwar waren slawische Heiligtümer aus den Beschreibungen zeitgenössischer Chronisten bekannt, jedoch gelang der Nachweis eines Originals erstmals in Groß Raden. Bei der Ausgrabung wurde eine ca. 7,6m × 13m große, doppelwandige Einhegung freigelegt, deren innere Schale aus glatten Bohlen bestand. Vor dieser befand sich eine Zierfassade aus Bohlen mit einem kopf- oder rautenförmigen Ende. Zierfassade und innere Schale waren durch hölzerne Anker und Querriegel miteinander verbunden.

 
©LAKD M-V, Landesarchäologie
©LAKD M-V, Landesarchäologie
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Originalgetreue Rekonstruktion

1987 wurde ein Ausstellungsgebäude eröffnet, das Freigelände folgte 1989 und veranschaulicht beide Bauphasen: die ältere Siedlung mit kleinen, regelmäßig angeordneten Flechtwandhäusern und dem Kultbezirk; die jüngere mit größeren Blockhäusern und dem Burgwall.
Von Anfang an entwickelte sich das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden zu einem Ort lebendiger Archäologie. Zusätzlich zu den regelmäßig stattfindenden Führungen und museumspädagogischen Programmen für Schulklassen werden mit Unterstützung des Fördervereins jedes Jahr zahlreiche Sonderveranstaltungen organisiert, bei denen die Museumsbesucher praktische Vorführungen slawenzeitlicher Handwerkstechniken wie Töpferei, Textilherstellung, Teersiederei, Metallverarbeitung oder Holzbearbeitung erleben können. Im Ausstellungsgebäude befindet sich die „Schatzkammer“ mit einer Auswahl slawischer Edelmetallfunde, außerdem werden wechselnde Sonderausstellungen zur Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt.

Bei den Grabungen wurden viele gut erhaltene Hölzer freigelegt,
Der hohe Wasserspiegel führte dazu, dass auf der Halbinsel im Groß Radener Binnensee viele Bauhölzer aus der Slawenzeit erhalten blieben. Sie ermöglichten eine realitätsnahe Rekonstruktion von Siedlung und Burgwall.
In Groß Raden ließ sich erstmals ein slawisches Heiligtum nachweisen und in eine Rekonstruktion umsetzen.

www.freilichtmuseum-gross-raden.de

 
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